Besuch bei Wilhelm Tell

Das gute Wetter am langen Wochenende um den 1.Mai hat die Leute aus ihren Löchern gelockt. Ich hab mir eine Tour von Luzern nach Winterthur vorgenommen, ca. 100km und mit bewusst geplanten nicht unwesentlichen Steigungen. Warum? Dies sollte meine letzte grosse Trainingstour für die Dänemark-Rundreise ab Mitte Mai werden. Dort gibts zwar nicht solche Steigungen, aber starken Gegenwind, mit dem ich doch in Dänemark rechnen muss.

In zweierlei Hinsicht habe ich bei meiner Planung Fehler gemacht:

1. Ich hätte viel viel früher losfahren sollen; in Winterthur erst um etwa 8:30 Uhr in den Zug nach Luzern zu steigen, war eine Herausforderung. Denn ausser mir wollten noch gefühlt mindestens 1000 andere Velofahrer mit ihren Bikes in den Zug und ausserdem 100000 Wanderer mit riesigen Rucksäcken. Doch ich hatte Glück, ich fand einen Wagen, in dem ich mit meinem Bike als Erster einsteigen und mir einen der begehrten Fahrradplätze sichern konnte. Das war geschafft!

2. Den Versuch, die Steigungen (bis zu 20%!) ohne Motor bei einem Systemgewicht von mehr als 120kg zu bewältigen, habe ich nach den ersten heftigen Anstiegen aufgegeben. Mein E-Bike inkl. Batterie wiegt etwa 30kg, ich hatte Gepäck – Verflegung, Werkzeug, Klamotten zum Wechseln, etc. – und das Eigengewicht der Taschen von etwa 10kg dabei, und ich selber bringe auch ein paar kg auf die Waage. Wofür hat man den Motor? …wieder was gelernt!

Ach, und einen dritten Fehler habe ich gemacht … vielleicht sollte ich es mal mit Sonnencreme versuchen, meine Handrücken sind schmerzhaft verbrannt 😦

Doch nun zur Tour.

Mein Zug kam um kurz vor 10 in Luzern an und von dort ging es dann los. Erst ein bisschen durch die Altstadtgassen, dann stadtauswärts am Viewaldstättersee entlang. Zwischen Vierwaldstättersee und Zuger See wurde ich auf ein paar Schilder zur „Hohlen Gasse“ aufmerksam, einem der zentralen Orte aus der Wilhelm Tell Sage. Die „Hohle Gasse“ und die Gesslerburg gibts wirklich, und das musste ich mir doch ansehen. Touristisch attraktiv hergerichtet, präsentiert sich die Hohle Gasse wirklich als eine hohle Gasse, und in einem anliegenden Gebäude findet sich auch der von einem Pfeil durchbohrte Apfel :-). Im Video unten gibts das alles zu sehen.

Weiter gings vom Vierwaldstättersee zum Zuger See, von dort wieder ein Stück nach Süden zum Lauerzersee, weiter zum Ägerisee, zum Sihlsee und schliesslich zum Zürisee und schliesslich vorbei am Pfäffikersee. Also 7 Seen auf einer Tour, zum Teil getrennt durch nicht unerhebliche Steigungen. Doch jede Steigung belohnt durch eine fabelhafte Abfahrt. Echte Kraftproben für die Bremsen! Wie gesagt, Systemgewicht von 120kg oder mehr – ging aber problemlos.

Dazwischen gabs noch einen Halt in Einsiedeln, wo ein weltberühmtes Benediktinerkloster die Stadt prägt.

Weiter über den Seedamm, der den Zürisee in zwei Teile teilt, gehts nach Rapperswil. Und von dort dann zurück, meist auf gut ausgebauten Radwegen, jedoch an viel befahrenen Stassen entlang zurück nach Winterthur. Komoot gibt für die Strecke 107km an, mit meinen Abstechern rechts und links wurden es etwa 120km. Stolz machen mich die 1520 Höhenmeter und heute, einen Tag später, spüre ich noch jeden einzelnen davon in meinen Knochen.

Und hier die Videozusammenfassung der Tour: