Etappe 2: Rorschach – Chur

12.02.2023, das war ein perfekter Tag! Bei herrlichem Sonnenschein, aber morgens noch eisigen Temperaturen ging es in Rorschach los.

Wer glaubt, Rorschach liegt ja am Bodensee und ist schön flach, wird schon nach wenigen Metern eines Besseren belehrt. Doch der „Aufstieg“ lohnt sich. Kurz bevor man den Rhein erreicht, wird man von einem sagenhaften Blick auf das Alpenpanorama belohnt. Die Schönheit dieses Panoramas nahm ich symbolisch für die ganze Tour – und wurde nicht enttäuscht. Bald habe ich den Rhein erreicht und auf dem Rheinradweg, der Eurovelo 15, ging es weiter Richtung Süden.

Der Rheinradweg führt von der vermeintlichen Quelle des Rheins bei Andermatt bis zur Mündung in die Nordsee in Hoek van Holland. Insgesamt ca. 1200km. Heute machen wir nur ein kleines Stückchen davon, aber super gut ausgebaut, breit genug, überwiegend asphaltiert und einfach nur schön. Der Rhein ist hier ein unheimlich sauberer, klarer, blau schimmernder Fluss, noch kein Strom, der sich vor einem herrlichen Bergpanorama seinen Weg bahnt und die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz markiert. Ich bleibe etwa 30 km auf der Schweizer Rheinseite, dann überquere ich die erste Grenze. Der Rheinradweg ist auf der österreichischen Seite genau so gut ausgebaut wie auf der schweizer Seite – nur andersherum (-: Lag in der Schweiz der Rhein auf meiner linken Seite, war er jetzt rechts 🙂

Am Säntis entlang, einem der höchsten Schweizer Berge, ging’s auf der österreichischen Seite weiter. Vom Säntis aus kann man bei klarem Wetter 6 Länder sehen: Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Italien, Frankreich und Deutschland.

Weiter ging es nach Liechtenstein, dem dritten Land auf unserer Tour. Im „Dreiländereck“ Österreich, Schweiz, Liechtenstein kann man nicht erkennen, dass man ein neues Land betritt. Nur an einem Fahnenmast mit der Liechtensteiner Flagge konnte ich erkennen, dass ich eine weitere Grenze überschritten hatte.

Erstes Ziel in Vaduz war das „Rote Haus“. Ein mittelalterliches Gebäude, das das ehemalige Stadtzentrum markierte. Seine seit etwa zweihundert Jahren nachgewiesene rote Bemalung machte dieses Haus berühmt. Nachdem es zwischenzeitlich als Kloster diente, ist es heute in Privathand.

Von dort ging es steil bergauf zum Schloss – oder ist’s eine Burg? Das hat Kraft und einige „Batterie-km“ gekostet, denn während ich bis dahin fast die gesamte Strecke mein E-Bike als „Bio-Bike“ benutzt habe, war jetzt Hilfe durch den Motor angesagt. Und das nicht zu knapp. Dort oben im Schloss wohnt der Landesvater, der Fürst von Liechtenstein mit seiner Familie. Leider hat er verpasst, meine Ankunft mitzuerleben. Pech für ihn :-).

Weiter ging es ins Stadtzentrum von Vaduz. Dies war an einem Sonntag Mittag völlig ausgestorben – kein Mensch zu sehen. Unvorstellbar, eine Landeshauptstadt, die sonst Touristen in Hülle und Fülle anlockt, absolut ausgestorben. Vielleicht liegt es daran, dass Liechtenstein ein Steuerparadies ist, und gefühlt mindestens jedes zweite Haus von Vaduz eine Bank ist. Da Banken Sonntags geschlossen haben, gibts für Einwohner wie Touristen keinen Grund, Sonntags vorbeizukommen – honi soit qui mal i pense.

Nächste Station war dann wieder eine Stadt in der Schweiz: Lanquart. Diese Stadt besteht gefühlt nur aus einem riesigen Outlet Shopping Center. Das hatte am Sonntag geöffnet und der bevorstehende Valentinstag und laufende Winterschlussverkauf hat wohl alle Schweizer (und Liechtensteiner?) nach Landquart gelockt. Ein riesiger Menschenauflauf, dem ich schnell entflohen bin. Weiter ging es nach Chur, dem Ziel unserer heutigen Etappe. Chur ist die Kantonshauptstadt von Graubünden. Auch hier schien die gesamte Bevölkerung in Landquart zu sein. Auch hier waren keine Menschen auf den Strassen zu sehen.

Insgesamt, mit dem ein oder anderen Abzweig von der Komoot-Route, habe ich etwa 110 km zurückgelegt. Bei dem herrlichen Wetter und der Belohnung durch unvergessliche Alpenpanoramen war das jede Anstrengung wert!

Hier noch eine kleine Zusammenfassung im Video: